Firmen -Insolvenzen wegen Pensionsverpflichtungen

Die derzeitige Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitet der Wirtschaft mit Blick auf die betriebliche Altersvorsorge zunehmend Probleme: Für manche Mittelständler könnten die Pensionsverpflichtungen nach Einschätzung des Präsidenten des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, sogar existenzbedrohlich werden. Klein- und Mittelbetriebe bilanzierten in der Regel nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) und hätten bisher die Lücke zwischen Soll und Haben bei ihren Pensionsverpflichtungen leichter kaschieren können als etwa Aktiengesellschaften. „Jetzt kommt für sie das böse Erwachen.

Insolvenzen im Mittelstand sind nicht auszuschließen“, sagte Ohoven dem „Handelsblatt“ (Online-Ausgabe).

Laut Ohoven sind die mittelständischen Unternehmen in Deutschland Pensionsverpflichtungen im Umfang von etwa 24 Milliarden Euro eingegangen. Als Folge der Zinsentwicklung klaffe aber schon heute eine Deckungslücke von etwa vier Milliarden Euro. „Selbst wenn die Marktzinsen langsam wieder anziehen sollten, belasten die niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre den Durchschnittszins“, warnte er.

Ein möglicher Zinsanstieg mache sich also kaum oder erst mit zeitlicher Verzögerung bemerkbar. Zudem kämen die geburtenstarken Jahrgänge allmählich ins Rentenalter. Allerdings hätten Mittelständler so gut wie keine Möglichkeit mehr, ihren Versorgungszusagen zu entkommen. „Früher konnten die Ansprüche an einen externen Anbieter, etwa einen Pensionsfonds oder einen Lebensversicherer, ausgelagert werden“, erläuterte Ohoven.

Doch die litten gegenwärtig selbst unter den niedrigen Zinsen. Der Gesetzgeber sollte daher „die Realität der Niedrigzinsphase bei der Abzinsung berücksichtigen“, forderte der Mittelstandspräsident.

GDV macht Vorschläge zur Stärkung der betrieblicheb Altersvorsorge

Der Versicherungsverband GDV will mit neuen sozialpolitischen Vorschlägen die betriebliche Altersvorsorge stärken. Arbeitgeber sollen demnach das Recht erhalten, Gehaltskomponenten in Ansprüche aus einer Betriebspension umzuwandeln, wenn der Arbeitnehmer nicht innerhalb von drei Monaten widerspricht, fordert der GDV in einem Konzeptpapier, das der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochsausgabe) vorliegt.

Aus Sicht der Versicherer besteht demnach ein Bedarf für eine solche Reform, weil sich der Anteil der Betriebsstätten mit betrieblicher Vorsorge im Jahrzehnt nach 2001 zwar um 19 Prozentpunkte auf 50 Prozent erhöht hat. Nach 2009 sei der Anstieg aber fast zum Erliegen gekommen. Seither sei nur noch ein Prozentpunkt hinzugewonnen worden. Nachholbedarf gebe es insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen. Vor allem für Geringverdiener sollte dieses Modell attraktiver gemacht werden.

Klarheit schaffen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Niedrige Zinsen kommen in Altersvorsorge teuer zu stehen

Für Arbeitnehmer sind die niedrigen Zinsen ein riesiges Problem, welches teuer zu stehen kommt. Wer heute mit der Altersvorsorge startet, müsse entweder so anlegen, dass er bessere Chancen auf eine höhere Rendite hat, oder müsse alternativ erheblich mehr sparen, sagte Andreas Wimmer, Vorstandsmitglied der „Allianz Lebensversicherung“ im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ (Montagsausgabe). „

Als Faustformel gilt: Zwei Prozentpunkte geringere Rendite bedeuten bei einem heute 30-Jährigen, dass er rund 50 Prozent mehr zurücklegen muss.“ Um höhere Erträge zu erzielen, würden neben traditionellen Zinsanlagen andere Renditequellen immer wichtiger.

Die Allianz hat deshalb ihre Aktienquote wieder auf zehn Prozent aufgestockt und zählt damit zu den Versicherern mit dem höchsten Anteil. Die Konkurrenz liegt bei drei bis vier Prozent. Zum Anlagemix zählten aber auch Baufinanzierungen, also Hypothekendarlehen und extrem langfristige illiquide Investments wie Infrastruktur-Anlagen oder erneuerbare Energien, sagte Wimmer. Er bestärkte die Bundesregierung in ihren Plänen, die betriebliche Altersvorsorge über die Tarifparteien zu verankern. Allerdings schlägt er einen einfachen Weg vor, indem die Beiträge für die Direktversicherung erhöht und gleichzeitig stärker gefördert werden.

Der Allianz-Vorstand mache sich dafür stark, die derzeit noch maximal steuer- und sozialabgabenfreien gut 4.900 Euro um 1.800 Euro aufzustocken. Das biete positive Anreize für Niedrigverdiener und erleichtere mittelständischen Unternehmen das Engagement bei der betrieblichen Altersvorsorge.

Hintergrunfinformationen

betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Für eine optimale finanzielle Absicherung im Alter ist die Altersvorsorge von großer Bedeutung. Diese setzt sich aus drei Säulen zusammen: der gesetzlichen, betrieblichen sowie privaten Vorsorge. Weil Erstere in Form der staatlichen Rente im Alter oftmals nicht ausreichend ist, sind Sie auf weitere Vorsorgemaßnahmen für ein sorgenfreies Leben im Ruhestand angewiesen. Die betriebliche Altersvorsorge ist hierbei eine hervorragende Alternative. Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf diese Vorsorgeform. Zur Auswahl stehen fünf Durchführungswege in der betrieblichen Altersvorsorge: die Direktzusage, Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds sowie die Unterstützungskasse.

Ein relativ einfaches Modell um für den Ruhestand Kapital anzusparen, ist die Direktversicherung. Es handelt sich um eine Rentenversicherung in Form einer Kapital- oder fondsgebundenen Lebensversicherung. Die jeweilige Versicherung wird vom Arbeitgeber für den Arbeitnehmer im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen. Vom Gehalt wird ein Teil einbehalten und ausschließlich für die Versicherung verwendet. Der Arbeitgeber entrichtet somit als Versicherungsnehmer die Beiträge. Am Ende der vereinbarten Laufzeit ist der Arbeitnehmer oder dessen Hinterbliebenen Begünstigter der Versicherung.

Mit Rentenbeginn erhält der Begünstigte das angesparte Kapital aus der Direktversicherung in Form einer lebenslangen monatlichen Rente. Jedoch wird die Betriebsrente in vollem Umfang zur Berechnung der gesetzlichen Krankenversicherung herangezogen.

Vor- und Nachteile der Direktversicherung im Überblick

Vorteile:

– Kombination mit Zusatzversicherungen zum Beispiel mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung möglich
– in der Ansparphase profitieren Sie von erheblichen Steuervorteilen und Ersparnissen bei den Sozialabgaben, unter anderem weil der Beitrag direkt vom Bruttogehalt einbehalten wird
– es erfolgt keine Anrechnung auf das Arbeitslosengeld eins und zwei
– pfändungssicher
– Arbeitnehmer entscheidet selbst über das Produkt
– garantierter Mindestzins
– Vertrag der Direktversicherung kann bei Ausscheiden aus dem Betrieb auf den neuen Arbeitgeber übertragen werden

Zu den wenigen Nachteilen zählen:

– keine Beleihung oder Kündigung des Vertrages durch den Arbeitnehmer möglich
– Auszahlung erfolgt frühestens mit dem 60. Lebensjahr
– in der Rentenphase volle Besteuerung der Rente

Betriebliche Altersvorsorge entlastet staatliches Pensionssystem

Aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit entstehenden zunehmenden Lücke im staatlichen Pensionssystem benötigen Pensionisten zusätzliches Einkommen, um den Lebensstandard, der während der Erwerbstätigkeit erreicht wurde, in der Pension halten zu können. Ein stetig wachsender Bundesbeitrag zu den Pensionen ist aufgrund der enormen Staatsverschuldung jedoch nicht realistisch. „Wenn man den aktuellen Prognosen Glauben schenken darf, werden wir bis 2013 bereits die 80-Prozent-Schwelle in der Staatsverschuldung überschreiten“, sagt Andreas Zakostelsky, Vorsitzender des Vorstands der Vorsorge Holding AG.

Aufgrund der demografischen Entwicklung lastet ein immer größer werdender Finanzierungsdruck auf der staatlichen Pensionsversorgung, die durch den Bundesbeitrag ausgeglichen werden muss. 2008 betrug der Zuschuss bereits rund 4,9 Mrd. Euro bei einer Gesamtsumme von 26,4 Mrd. Euro an Pensionszahlungen aus der Sozialversicherung. „Das staatliche Pensionssystem ist zwar als Grundabsicherung absolut unerlässlich. Langfristig gesehen müssen sich in Österreich jedoch – wie auch in vielen anderen europäischen Ländern – drei starke, sich ergänzende Säulen entwickeln“, so Zakostelsky.

Österreich mit Aufholbedarf

Zurzeit sind knapp zehn Prozent der gesamten Pensionsleistungen in Österreich auf Kapital gedeckte Pensionssysteme zurückzuführen. Davon entfällt jeweils rund die Hälfte auf betriebliche bzw. individuelle Vorsorge. International gesehen hat Österreich hier noch akuten Aufholbedarf. In den Niederlanden sind etwa 50 Prozent des Systems Kapital gedeckt, in der Schweiz sogar 58 Prozent. „Die Finanzkrise hat zwar kurzfristig das Anlageergebnis aller Pensionskassen massiv gedrückt und Kritik an Kapital gedeckten Systemen aufkommen lassen. Für eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Pensionskassensystems ist jedoch immer die langfristige Betrachtung im Sinne des Vorsorgegedankens essenziell“, meint Zakostelsky auf Nachfrage von pressetext.

Zudem begrüßt Zakostelsky die Reform des Pensionskassen-Gesetzes. „Die hohen Rechnungszinsen aus den alten Sonderverträgen der 90er-Jahre sind der Hauptgrund für Pensionskürzungen, selbst in wirtschaftlich guten Jahren“, betont Zakostelsky. „Das Ziel der vieldiskutierten Reform des Pensionskassengesetzes muss es sein, eine höhere Stabilität im Sinne der Pensionsempfänger sicherzustellen, um das System sinnvoll weiterzuentwickeln und als starke zweite Säule flexibler und attraktiver zu machen“, ergänzt Zakostelsky.

Aktivitäten gebündelt

Mit der Gründung der Vorsorge Holding AG im September 2008 haben die Raiffeisen Bankengruppe und die UNIQA Versicherungen ihre Aktivitäten im Bereich der betrieblichen Vorsorge gebündelt. Heute positioniert sich die Unternehmensgruppe als Kompetenzzentrum in der Betrieblichen Altersvorsorge und baut auf die Expertise der rund 180 Mitarbeiter ihrer vier Konzerntöchter: der ÖPAG Pensionskassen AG, deren Tochter BAV Pensionskassen AG, der ÖVK Vorsorgekasse AG und der PlanPension Vorsorgeberatung GesmbH.

„Die Zusammenführung und Eingliederung von vier Einzelunternehmen in eine gemeinsame Holding-Struktur war ein wesentlicher Meilenstein und eine der größten Herausforderungen im heurigen Geschäftsjahr“, sagt Zakostelsky. „Umso mehr freut es mich, berichten zu können, dass wir diese Konsolidierungsphase dank der tatkräftigen Unterstützung aller Mitarbeiter erfolgreich abgeschlossen haben und nun gestärkt als gemeinsame Unternehmensgruppe auftreten. In unserem Markenauftritt nach außen wird sich dieser Zusammenschluss ab März 2010 auch widerspiegeln“, ergänzt Zakostelsky.